Egal, ob beim Hinunterfallenlassen, beim Transportieren oder Verbinden: Immer geht es bei den elementaren Tätigkeiten der Kleinkinder darum, einen Effekt zu erzeugen, eine Zustandsveränderung durch eigenes Tun zu bewirken. Ich habe etwas getan, was die Welt verändert hat. Es ist leicht zu verstehen, welche Anziehungskraft in diesem Zusammenhang Malmaterialien auf Kleinkinder ausüben: Mit ihnen kann man eine gut sichtbare, oft bleibende, mit der Zeit immer ausdrucksvollere Zustandsveränderung bewirken: Indem man eine Spur hinterlässt.

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Wenn ein Kleinkind einen Stift in die Hand bekommt, beginnt es schnell, damit Spuren zu hinterlassen: Mit heftigen Bewegungen wird der Stift auf das Papier geschlagen, und ähnliches ist auch mit dem Pinsel möglich. Diese erste Phase des kindlichen Zeichnens, oft etwa um den ersten Geburtstag eintretend, nennt man Hiebkritzel. Wie fast alles im Krippenalter ist er nur als ganzheitliches Erlebnis des Kindes begreifbar: Es geht nicht nur um den Punkt oder Strich auf dem Blatt, sondern auch um die schwungvolle, sich entladende Bewegung, sicher auch das laute Hämmern auf der Unterlage. Dann geht es fast zwei Jahre lang um das Kritzeln. Verschiedene Formen von Strichen, mal rund, dann wieder gerade auf das Blatt gebracht, gekreuzt oder mit Punkten versehen, bilden die Grundformen des frühen kindlichen Ausdrucks mit Farbe und Papier.


Eine wichtige Station scheint das Malen von Kreisen zu sein: Oft tritt diese Fertigkeit in einer Zeit auf, in der wir das „Ich“ des Kindes kennenlernen, indem es jetzt seinen Namen verwendet. Mit dem Kreis gelingt es dem Kind, eine erste perfekte Form zu erzeugen.
So wie sich die Kinder gegen Ende der Krippenzeit immer mehr aufeinander beziehen, entwickeln sie in dieser Zeit auch durch gemeinsames Erfinden und voneinander Abschauen ihren Zeichenvorrat weiter: Ob aus den Kopffüßlerwesen Prinzessinnen mit Krone, Kette, Strichmund oder Kreismund, Ritter oder Saurier werden, entscheidet sich in jeder Kindergruppe unterschiedlich.

Material:

  • Farbe (besonders gut geeignet: mit etwas Kleister gestreckte Temperafarbe)
  • Viel Papier, kleinformatig oder große Bögen
  • Platten zum Auswalzen der Farbe
  • Feste Schaumgummistücke in unterschiedlichen Formen
  • Schwämme in unterschiedlichen Formen
  • Korken
  • Plane Plastikteile mit interessanter Struktur, zum Beispiel Löchern oder Streifen
  • Noppenfolie
  • Selbstgebaute Druckwalzen mit Muster

Vorbereitung:

  • Wir schneiden Schwämme und Schaumgummistücke in vielfältige Formen zu, am besten wiedererkennbare Formen wie Kreise, Herzen, Sterne neben amorphen Formen, die die Kinder interpretieren werden.
  • Für eine Druckwalze bekleben wir die Innenrolle einer Küchenrolle oder ein altes Nudelholz mit interessant geringelter Schnur, die sich später abdrucken wird.
  • Farbe sollten wir auf Platten, niedrigen Behältnissen mit planem Boden, Linoleumstücken oder Kacheln auswalzen, damit die Kinder dort ihren Druckstock einfärben können.
  • Drucken braucht Ordnung: Vorab müssen wir schnell erreichbaren Platz für fertige Papiere schaffen.

Erproben, entdecken, erfahren:

Mit dem Drucken begegnen Kinder in einer ganz simplen Handlung einer faszinierenden Erkenntnis: Dinge – oder zumindest ihr Aussehen – lassen sich vervielfachen. Aus einem Herz können viele gleichartige Herzen werden. Immer, wenn ich diesen technischen Vorgang ausführe, wird ein ähnliches Ergebnis eintreten, nämlich das Abbild des gedruckten Gegenstandes.
Warum lassen sich Dinge abdrucken? Diese Frage werden die Kinder schnell ganz intuitiv untersuchen, indem sie geeignete wie auch völlig ungeeignete Dinge als Druckstock einsetzen. Lässt sich wohl eine Walnuss abdrucken? Wieder einmal gilt dabei für uns: Unser Wissen, dass man nur mit einigermaßen planen Oberflächen gute Drucke erzeugen kann, behalten wir für uns und lassen den Kindern die Freiheit, auch offensichtlich weniger geeignete Dinge auszuprobieren. Es braucht eine Weile des Austestens verschieden geformter Dinge, um herauszufinden, dass nur die flachen Dinge einen guten Abdruck ergeben – und warum das so ist.
Welche Form ist das? Interessant ist es beim Drucken, nachzuvollziehen, welches Druckbild von welchem Gegenstand kommt. Ist das mein Herz oder deines? Dieses Zuordnungsspiel ist kognitiv eine anspruchsvolle Sache, bei der die Kleinen automatisch über die Grobform von dreidimensionalen Dingen ins Grübeln kommen und Gegenstand mit Abbild vergleichen.
Jeder kann sein eigener Druckstock sein: Zum Drucken mit Kleinkindern gehört es einfach dazu, auch Körperabdrücke herzustellen. Spaß macht es, mit älteren Kindern auszutesten, ob man auch hier feststellen kann, wem welcher Abdruck gehören könnte.

Ja, aber…

…was mache ich, wenn die Kinder die Farbe in den Mund nehmen? Ruhig bleiben und beobachten. Schließlich verwenden wir keine giftigen Farben. Schön sieht es trotzdem nicht aus, wenn Kinder einen von innen grünen Mund haben, klar. Aber die Erfahrung, dass sich das Essen von Farbe nicht lohnt, rentiert sich: Dauerhafte Farbesser haben wir bisher nicht beobachtet, höchstens vielleicht Kinder, die dies eine Zeit lang aus einer Mischung aus Trotz und unbezwingbarer Ausprobierlust tun, weil sie allzu oft streng ermahnt wurden, dies eben nicht zu tun.